Kontakt Impressum

Einen Artikel aus der Pforzheimer Zeitung zu unserem letzten Forschungstag können Sie hier abrufen.

Den aktuellen Informationsbrief können Sie hier als pdf herunterladen.

     

Frau Bischoff-Krappel (freie Mitarbeiterin der Pforzheimer Zeitung) im Gespräch mit
Dr. Gero Leneweit - Interview vom 20. April 2018, ein Tag vor der Mitgliederversammlung und öffentlichen Forschungspräsentation:

1. Was ist das Kernstück Ihrer derzeitigen Forschungsarbeit?
Unser Fokus ist aktuell, die Tumorwirksamkeit der Mistel dadurch zu verbessern, dass wir die tumorwirksamen Substanzen in winzige Membrankugeln einhüllen, so genannte Liposomen, um die Mistelsubstanzen dadurch besser an den Tumor heranzuführen und neue Therapiemöglichkeiten für fortgeschrittene Krebserkrankungen zu ermöglichen. Die Mistel hat ein beeindruckendes Potenzial, Tumorzellen abzubauen und wirkt selbst bei therapie-resistenten Tumoren stärker als gut etablierte Chemotherapeutika, wie wir in Zusammenarbeit mit der Universität Utrecht zeigen konnten. Dieses Potenzial gilt es durch geeignete Zubereitungen und ein gezieltes Erreichen des Tumors noch besser zu nutzen.

2. Was ist Ihnen bei der Forschungspräsentation besonders wichtig und warum ist es Ihnen ein Anliegen, ihre Forschung nicht nur dem Fachpublikum, sondern auch der Öffentlichkeit zu präsentieren?
Die Misteltherapie wird in Deutschland von mehr als der Hälfte der Krebspatienten eingesetzt. Die Patienten selbst sorgen seit vielen Jahren am stärksten für die Verbreitung dieser Therapie, weil sie die positiven Wirkungen an sich unmittelbar wahrnehmen können, wie z.B. die Verbesserung der Lebensqualität, Reduktion der krankheitsbedingten Erschöpfung, Reduktion der Nebenwirkungen der Standardtherapien sowie Komplett- und Teilremissionen der Krebserkrankungen. Da liegt es nahe, die Patienten und ihre Angehörigen direkt über die Forschungsfortschritte zu informieren.

Außerdem wächst in der Wissenschaft heute die Einsicht, dass Wissenschaftler einen gesellschaftlichen Auftrag haben und möglichst viel mit allen Menschen kommunizieren sollten, da sie an den Zukunftsfragen der Menschheit arbeiten. Neben Patienten möchten wir auch junge Menschen ansprechen, die sich für einen Beruf in der Forschung interessieren.

3. Findet die Veranstaltung jährlich statt? Wer zählt zu den Besuchern? (Sind z. B. auch ehemalige Patienten der Klinik darunter?)
Wir berichten jährlich über unsere Forschungsfortschritte. Wir erreichen dadurch insbesondere Patienten und Angehörige, aus der Klinik, dem Johanneshaus, dem regionalen und überregionalen Umkreis, sowie viele Berufsgruppen im Umfeld der Krebserkrankung wie Pfleger, Ärzte, Apotheker und junge Menschen in der Berufsorientierung.

4. Wo sehen Sie den Unterschied der Forschung am Carus-Institut zu der nicht anthroposophischer Forschungseinrichtungen?
Zunächst sollten wir auf die Gemeinsamkeiten schauen: wir nehmen Lehraufträge an den Universitäten in Karlsruhe (dem KIT) und Freiburg wahr und kooperieren darüber hinaus auch mit europäischen Spitzenuniversitäten in Uppsala und Utrecht. Dies ist nur möglich, weil wir in hochrangigen wissenschaftlichen Fachjournalen publizieren und unsere Arbeit somit einer strengen externen Prüfung unterzogen ist. Auch bewerben wir uns seit vielen Jahren erfolgreich bei Ausschreibungen um öffentliche Zuwendungen für die pharmazeutische Forschung zur Krebstherapie.

Die Unterschiede liegen darin, dass wir uns bemühen, über das heute oftmals dominierende reduktionistische Weltbild hinaus den Menschen und die ihn umgebende Welt als eine Einheit von Geistigem und Materiellem zu sehen. Dieser Zugang braucht eine Erweiterung der wissenschaftlichen Methoden, jedoch mit denselben Maßstäben der Nachprüfbarkeit. Wir meinen, dass es die Wissenschaft heute der Menschheit schuldig ist, den Menschen nicht nur auf seine physische Existenz zu reduzieren, um in allen Lebenslagen zu dienen. Zu dieser Zukunftsaufgabe möchten wir beitragen.

5. Wie finanziert sich die Arbeit des Carus-Instituts?
Die Basis bilden die Spenden von Mitgliedern und Freunden sowie Vermächtnisse. Durch diese freien Schenkungen konnten wir unsere Grundlagen aufbauen und können uns mit ihrer Hilfe erfolgreich um öffentliche Fördergelder bewerben. Wir haben aber keine staatliche Grundfinanzierung. Stattdessen kooperieren wir mit Firmen, von denen wir Unterstützung bekommen und die uns helfen, die Forschungsergebnisse den Patienten zukommen zu lassen.

6. Wann soll der geplante Neubau fertig gestellt sein?
Wir beginnen in Kürze mit dem Aushub und hoffen, in ca. eineinhalb Jahren einziehen zu können, also Ende 2019 oder Anfang 2020.

7. Wie viele Mitarbeiter/innen hat das Carus-Institut?
Wir haben aktuell sieben Stammmitarbeiter, dazu zwei Doktoranden in Kooperation mit Universitäten und meistens ca. 3 Studierende als Praktikanten. Durch unsere Forschungsprojekte binden wir auch noch weitere Forscher in unsere wissenschaftlichen Projekte ein.


Carl Gustav Carus-Institut der Gesellschaft zur Förderung der Krebstherapie e. V. | Am Eichhof 30 - 75223 Niefern-Öschelbronn | Tel.: 07233 7043-100 | www.carus-institut.de